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Dienstag, 25. April 2017

Kurs Nord....Ruta 3.....Argentinischer Alltag !

Tank voll ? Pesos noch vorhanden ? Reichweite gecheckt ? Papiere in Griffnähe ? Trinkwasser und Essen ?
So etwa hört sich unsere Checkliste für "Overlanding Argentina Ruta 3" an.
Siehe hier : https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ruta_Nacional_3
Eine Strasse, über 3000km lang ! Könnt ihr euch das vorstellen ? Genau diese verbindet mit eben der berühmten Unterbrechung in Chile, Ushuaia mit Buenos Aires. Der einzige Landweg Richtung Norden, um Ushuaia hinter sich zu lassen. Im ersten Rutsch fahren wir bis Rio Grande. Dagmar hat alle Hände voll zu tun.Immer wenn ein fetter Truck entgegenkommt, schüttelt es den Hilux durch den Windsog der entsteht, gewaltig aus der Spur. Ausserdem muss der permante "Blow" von der Seite sofort wieder durch Lenkbewegungen egalisiert werden. Obwohl die Strecke schnurstracks geradeaus geht, schwierige Bedingungen. Auch für Übernachtungsplätze. Für diese Bedingungen ist die Konstruktion der Kabine des Hilux nicht gebaut....hohes Klappdach mit Zeltstoff....der konstant mit 50 - 80 km/h blasende Wind lässt ohne Windschutz kein Schlafen in "Stock 2" zu.
Wir "pissen" uns durch...wie man so schön sagt. In Rio Grande fahren wir zu einem Hostel mit grossem, ummauerten Parkplatz. "Können wir hier im Auto übernachten ?" "Si, no problema" ...wir nutzen wieder die Küche, Dusche etc, zahlen etwa 10.- euro. Gerettet ! In dieser Ecke, in der "hässlichen Grosstadt" eine optimale Lösung! Am nächsten Morgen nach der Checkliste (siehe oben) ....Grenz "run" wieder nach Chile....üble Piste..wollen wir schnell den Chilezipfel überbrücken, um wieder auf die asphaltierte Ruta 3 in Argentinien zu kommen. Wir schaffen es bis in den kleinen Nationalpark Pali Aike. Der Ranger ist supernett, im Park Vulkankrater und Reste von Ur-Indios. Und das Beste : Campspots mit Windshelter !  Wir unternehmen zwei Wanderungen, ziehen weiter.
Wir sind irgendwie rastlos. Das Wetter wird kühl und regnerisch. Der ständige Wind trägt nicht zur Laune bei....also machen wir Kilometer. Teurer Spass. War der Diesel in Feuerland noch Subventioniert, steigen die Preise je weiter wir in den Norden an der Atlantikküste entlangfahren kontinuierlich an. Hier nehmen viele Tanken nur "effectivo" Bargeld. Und dies zu beschaffen grenzt an das Unmögliche.....Geldautomaten, so wenn es welche gibt, sie betriebsberereit sind, deine Visa oder Mastercard akzeptieren, spucken auf dem südpatagonischen Landstrich selbst in grossen Städten wie Rio Gallegos, das wir extra deswegen anfahren, nur 1000 Pesos aus. 1000 Pesos ! Das sind ganze 65.- euro. Und obendrauf jedesmal 100 pesos, also 10% Strafgebühr. Lebensmittel: sauteuer. Geldbeschaffung : fast unmöglich ! Diesel : inzwischen 1.10 Euro, der teuerste Preis bis dito in Südamerika. Dazu eine Landschaft die mal wieder aus grandiosem Nichts besteht. Vor jedem grösserem Dorf eine Polizeisperre....und meist beim Hinausfahren noch eine. "Wohin und woher" ? Inzwischen sagt Daggi einfach  "Buenos Aires", obwohl noch etliche Kilometer entfernt.....! Dieser Mix in Verbindung mit dem schlechten Wetter schlägt uns langsam aufs Gemüt und beginnt uns regelrecht zu zermürben.  Wir motivieren uns  mit möglichen Highlights. Pinguine ! Mengen von Magellanpinguinen soll es in Monte Leon geben. Und: Es ist so ! Wir laufen mitten durch die Nester, sehen die Tiere , Alt und Jung aus nächster Nähe.Hunderte !! Aber auch Tote und verwesende....die Condore freuen sich. Interessant : Es gibt hier doch einige Puma's .....und für die sind die Pinguine so etwas wie das Schlaraffenland. Tatsächlich sehen wir etwas abseits der Wege frische Pumaspuren ! Leider dürften wir nicht im Park übernachten, die nächste Stadt ist Piedrabuena, für ein Stück Wiese und ein schmutziges Klo forderte man 500 (!) Pesos von uns, 30.- euro für nichts. Wir schauen ungläubig. Wissen nicht ob wir lachen oder Heulen sollen. Wir lehnen dankend ab, das Rasenstück hinter dem Haus bleibt leer.  Da ist sie wieder....die schlechte Stimmung...
Wir fahren ein Stück den Fluss entlang, campen wild, fühlen uns dort eigentlich sicher und gut aufgehoben !
Immer wenn wir auf die Landkarte schauen, wird uns bewusst, wie riesig das Land ist. Dagmar fährt jeden Tag quasi einen Tank leer, und die Landschaft, das Wetter, nichts ändert sich. Unglaublich ! Die unendliche Weite des Landes belohnt uns öfters mit wildesten Wolken und Himmelformation, die atemberaubend sind. Schaut auch die Bilder an, die Daggi ausgewählt hat !
Die nächsten Tage würden wir als "Fahren mit Kurzunterbrechungen" bezeichnen!
Auf unserem Weg zum "Unesco Weltkulturerbe Halbinsel Valdes" finden sich derer mehrere ,die "erwähnenswert" sind:
In Puerto San Juan schafft es der erste Hund wie selbstverständlich in die Kabine zu klettern, legt sich vor die Heizung und föhnt sich die Locken....Daggi wird fast schwach !
Wir machen einen "sidetrip" von etwa 50km one-way (schlechte Piste, wie gewohnt) zum "Bosque petrificados Jaramillo" Nationalpark. Es gibt wirklich riesige, versteinerte Baumstämme zu sehen. War nett, Schnelldurchlauf, voller Regen, Wind 60 km/h, kalt !
In Caleta Olivia besuchen wir eine Seelöwenkolonie in Stadtnähe. Ein eigentlich überhaupt nicht an den Seelöwen interessierter Strandhund, lässt die ganze Kolonie "tanzen".

                                                          Hund mischt Seelöwen auf !!

Wir entwickeln eine Meisterschaft im Schlafplatzsuchen mit Windschutz. Mal findet Daggi am Strand hinter Dünen ein "Windloch" mal hilft uns "Ioverlander" weiter !
Die letzten 250km vor Valdes biegen wir auf die RP 1 ab. Schöne Schotterpiste, die teilweise direkt am Meer entlang führt ! Schon erwähnt, das es sehr windig ist?
Und etwa 130  km vor Puerto Madryn, der Zufahrt zu Valdes, treffen wir an einem einsamen Strand wieder....auf den grünen Laster von Torben und Michi  (www.hippie-trail.de) Wir verabreden uns die nächste Tage auf dem Municipalcamping dort.
Eines der eigentlich guten Einrichtung in Argentinien sind die "camping municipal", Campingplätze, die von den Städten oder Dörfern selbst betrieben werden. Meist eher einfach ausgestatten, aber bezahlbar, stellen diese immer eine brauchbare "Nachtoption" dar.
Wir kommen in Puerto Madryn an, haben zuvor eingekauft und Sprit gefasst, klar, auch einen Geldautomat gesucht und gefunden, fahren auf den riesigen Campingplatz am Ende der Stadt. Die Malecon, die Strandpromenade, macht einen netten gepflegten Eindruck. In der Hochsaison legen hier auch Kreuzfahrtschiffe an!
Der Campspot wird vom ACA, dem argentinischen Automobilklub betrieben...und als ADAC Mitglieder zahlen wir die Hälfte. Geht doch ! Der Platz ist voll o.k, hat bestimmt 200 Parzellen, vielleicht 10 sind belegt ...!
Kollege Torben kommt mit dem 911er Rundhauber am nächsten Tag an. Wir breiten uns aus, reparieren Kleinigkeiten, warten unsere Autos. Es wird gewaschen, gegrillt, erzählt und gelacht!
Wir werden Valdes gemeinsam erkunden. Und zwei relaxte Camptage später ziehen wir los, gespannt wie uns die Argentinier das vielgepriesen "Unesco Weltkulturerbe Naturschutzgebiet" präsentieren werden !
Siehe hier:  https://de.m.wikipedia.org/wiki/Vald%C3%A9s_(Halbinsel)
Beim Visitorcenter berappen wir unseren "Nichtargentinischen Eintritt". Es ist absolute Nachsaison, und sind gespannt, ob wir noch Wale sehen werden.  Wir fragen im Visitorcenter nach und "si,si Orca's und sonst alles könnt ihr mit der Flut sehen". Wir werden nochmals ermahnt, nur auf dem einzigen offiziellen Campground in Puerto Piramides zu übernachten ! Es sei schliesslich Nationalpark mit Weltruf !
Wir fahren noch bis Punta Cero, einem Orca Spot. Wir bemerken, das dort die Rangerstation mit Restaurant.....schon geschlossen ist, die Stühle gestapelt, alles auf "off Season" verpackt. Klar, sehen wir....nichts. Wir beschliesen, nach Piramides zu fahren, dort zu campen, und am nächsten Morgen sehr früh erneut hier zu erscheinen (ca 70km), um mit Einsetzen der Flut, der "Orcajagdzeit" parat zu stehen.
Auf der Fahrt durch das "Unesco Weltkulturerbe" fallen uns merkwürdige Dinge auf: Es gibt eingezäunte Rinderweiden, Fabrikgebäude, Farmen...alles sieht eigentlich wie überall aus, so kennen wir das von anderen Nationalparks nicht ! Die "Krönung" ist dann der lt. Ranger zu nutzende "Pflichtcampspot" in Piramides: dreckiger, sandiger Platz, verdreckte Sanitäreinrichtung.....für ca. 20.- euro....absolut grenzwertig. Wir bleiben hier, da wir den Sandwall, der den Platz vom Meer trennt , als Windschutz brauchen.
Pünktlich um 7.30 Uhr morgens fahren wir los ! Mit der Flut kommen wir  an....Fernrohr raus und warten..leider keine Wale, keine Orca's. Wir fahren zum "Punta Norte" , dem Spot 2 auf Valdes. Das Wetter ist Top, auf dem Parkplatz bieten uns Gürteltiere eine unterhaltsame Show auf der Jagd nach den letzten Brotkrümmel unseres "Vespers". Wir beobachten, gehen spazieren, sehen Seelöwen am Strand. "Kollege" Orca lässt sich leider nicht blicken.
Am späteren Mittag fahren wir zurück mit Querabstecher zum Golfo San Jose.
Dort, mitten im Nationalpark, ist dann tatsächlich was "los". Nicht Natur sondern - der Hauptcampspot der Locals ! Der Strand voll mit Bussen aller Art, Quads, Boote, Schrottautos, Hütten....und nicht erst jetzt grade aufgebaut....der Zustand lässt klar auf jahrelangen, stationären "Missbrauch"  schliessen. Ein Hohn, uns zu "ermahnen", doch bitte nur in Puerto Piramides zu campen !
Etwas frustriert verabschieden wir uns wieder mal von Torben und Michi. Sie wollen "hoch" Richtung Buenos Aires. Wir fahren zurück nach Puerto Madryn, nochmals ins ACA Camping. Dort treffen wir auf Birger und Christiane mit ihrem Wohnmobil. (www.slow-motions.de) Nach regem und sympathischen Austausch, beschliessen wir Argentinien auf der Ruta 25 nach Esquel zu queren, um die "Seenlandschaft" auf der argentischen Seite Richtung Norden zu "erfahren". Und hoffen damit auch dem Wind, dem Regen und der doch kalten Witterung zu entkommen !
Die Strecke Ushuai nach Puerto Madryn, etwa 1800km, sind wir echt im Dauerlauf "geheizt"....zwar nichts "wesentliches" ausgelassen, aber auch nirgendwo länger "verweilt".
Dieser Landstrich war nicht "unsrer". Unterm Strich doch eher eintönige, sehr windige "Pampa", sehr dünn besiedelt. Wir kommen auch etwas an die Grenzen unseres Fahrzeuges bezüglich des Windes. Anstrengende Tage, gepaart mit argentinischen Strukturproblemen. Aber:
das ist halt Teil des "Overlanding". Natur ist nicht planbar und deswegen dürfen wir nicht murren....!

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